Im Juni 1837 gründete eine Gruppe spätromantischer Dichter in der Junemannschen Weinwirtschaft in München die „Zwanglose Gesellschaft“.

Drei „Gelegenheitsdichter“ wollten der Pflege von Literatur und dem kreativen Austausch untereinander ein Forum geben und dabei nicht zuletzt „Süd“- und „Nordlichter“ Münchens verträglich zusammenbringen.

Die Idee dazu hatte der Komödiendichter Franz von Elsholtz (1791-1872),  Legationsrat 1827 und u.a. Leiter des gothaischen Hoftheaters, zusammen mit  dem dichtenden Diplomaten Apollonius von Maltitz (1795-1857) und dem kgl. bayerischen Juristen Friedrich Freiherr von Zu Rhein (1802-1870), u.a. Minister-Verweser während der Lola-Montez-Affäre im sog. „Ministerium der Morgenröte“ im Staatsministerium für Kirchen- und Schulangelegenheiten und der Finanzen.

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Die genannten drei Dichter, denen sich sogleich der „Kasperlgraf“ und des Königs Oberzeremonienmeister, Franz Pocci (1807-1876), zugesellte, wollten der Pflege von Literatur, dann auch von Kunst und Wissenschaft, dem ganz persönlichen Austausch untereinander allwöchentlich Gelegenheit geben, ohne dass dies in einem starren Verein mit hierarchischen Regeln geschehen sollte. Titel, Orden und Ehrenzeichen sollten dabei keine Rolle spielen, ebenso wenig Beurteilungskriterien wie Herkunft, religiöse und politische Zugehörigkeit oder Mitgliedschaft in sonstigen Netzwerken.

Wichtig war und ist allein die unverwechselbare „Mannsperson“ und ihre Kreativität, die ein Zwangloser bemerkt hat und als “Pate“ ihn zum neuen Mitglied vorschlägt. Eine eigene Bewerbung um Mitgliedschaft war und ist nicht möglich. Über die Aufnahme entscheiden nach dreimaliger Anwesenheit und schriftlicher Ankündigung nur die an einem Vortragsabend jeweils anwesenden Mitglieder der Zwanglosen-Gesellschaft durch das Verfahren der „Kugelung“, die einstimmig erfolgen muss.

Und so ist es für die Zwanglosen auch heute noch: Mittwochsabend 18 Uhr. Da begeben sich derzeit zumeist ältere Herren gewissermaßen zum „Brunnen des romantischen Jugenderlebnisses“. Männer, die sich mit den „wichtigen Dingen des Lebens“ beschäftigen und ihre Erkenntnisse aus eigener und fremder Tätigkeit in den verschiedensten Fachgebieten länger miteinander diskutieren wollen als die Dauer der 45-minütigen Redezeit des Vortragenden – „Zwangsmeister“ genannt –, der seine „lieben Zwanglosen“ dazu noch ausreichend mit Wein & Brot zu versorgen hat.

Quellen:

  1. Zwanglose Gesellschaft: Die Zwanglose Gesellschaft in München 1837-1937; als Manuskript gedruckt, C.H.Beck’sche Buchdruckerei, Nördlingen 1937, 166 Seiten .
  2. Bayerische Staatsbibliothek, Signatur Bavar. 2535 cgf; BVB-ID: BV021006615 .
  3. Broschüre zum 150. Bestehen: Alfons Frank, Peter Klotz, Werner Mayer, Carl Michalski, Eberhard Nadler, Herbert Pothorn, Ulrich von Rhamm, Carl A. Traenkle, Joachim Wolf, Druck: München, Universitätsdruckerei & Verlag, Dr. C.Wolf u. Sohn KG, München, 1987
  4. Broschüre zum 175. Jubiläumsfest, am 22. Juni 2012 in der Alten Münze, München, 2012
  5. Zwanglose Gesellschaft München – Wikipedia.